Olbia

Als Vereins-Neuling habe ich in 2008 drei statt zwei Wochen am Stück an Bord einer Segelyacht verbracht, in denen ich die CONTESSA schon recht gut kennen lernen konnte. Mit dabei die aus vielen gemeinsamen Segelurlauben bekannten (ebenfalls Vereins-Neulinge) Mitsegler Ulrike, Lucie und Rainer.

Als Route haben wir uns ein Sahnestückchen ausgesucht: Olbia/Sardinien – Korsika Ostküste – Elba usw. – Festlandsküste – Tibermündung. In 2 Wochen locker zu schaffen, und das ohne Nachtfahrten.

Nachdem ich schon in der Vorwoche eine „Segelflieger-Schnupper-Crew“ geskippert hatte, nehme ich meine aus den Vorjahren gewohnten Mitsegler an Bord. Nach bis zu 8 Leuten an Bord wird es jetzt richtig leer – wir sind nur zu viert! Wir können es uns sogar leisten, den beiden Bordfrauen eine Bugkabine als „Ankleidekabine“ zur Verfügung zu stellen – ja so sind sie halt!

Der Törn beginnt mit einem Malheur: beim Auslaufen beginnt die Motorüberwachung zu pfeifen – Öldruckmangel! Wir legen wieder an, überprüfen alles, was mit Bordmitteln zu machen ist, auch ein Ölwechsel hilft nicht.

Schließlich müssen wir doch einen Yachtservice kommen lassen. Der wechselt für üppige 200 €  den Öldruckschalter, den wir schon im Verdacht hatten - das war's! So geht's dann nach zwei unfreiwilligen Liegetagen gleich nach Norden nach Korsika - mit der Erkenntnis, daß Sardinien gut für einen eigenen Törn ist.
Immerhin, es hätte uns an schlimmeren Orten treffen können, Olbia hat einen schönen Altstadtkern und gute Versorgungsmöglichkeiten.
Die Überquerung der Straße von Bonifacio ist heute ein Spaziergang.

Porto Vecchio

Ein gigantischer Naturhafen mit einer historischen Altstadt auf einem Festungshügel. Wir haben Glück und bekommen einen Restaurantplatz mit Blick auf die Bucht, in der die Contessa vor Anker liegt.

Campoloro – Bastia

Die korsische Ostküste ist hier seglerisch eher unergiebig – kaum schützende Buchten oder Häfen, nur kilometerlange Strände. Leider keine Zeit, mal einen Badestop einzulegen. Nach einer Übernachtung in der Marina von Campoloro fahren wir auf schnellstem Wege nach Bastia und bekommen einen der wenigen Liegeplätze im alten Hafen, eingerahmt von der Altsadt – traumhaft, aber nicht ganz billig (60 € Hafengebühr!).

Bisher hatten wir zwar sonniges Wetter, aber wenig Wind, wir laufen viel unter Motor. Mittlerweile haben wir unsere anfänglichen Zwangsliegetage kompensiert und können es etwas ruhiger angehen lassen. Am nächsten Morgen geht es bei strahlendem Sonnenschein zum eigentlichen Törnziel - Elba und den anderen Inseln des toskanischen Archipels.

Marciana Marina

Wir machen es uns in diesem Hafen bequem - ein kleiner, sympathischer Urlaubsort mit einer gewaltigen Hafenmole, wo man sich fragt, woher wohl das Geld dafür stammt, egal, wir sind dankbar dafür und bleiben 2 Nächte hier liegen. Den Tag dazwischen nutzen wir für  eine gründliche Inseltour. Wir entscheiden uns für ein Tages-Bus-Ticket, mit dem man alle Busse des gut befahrenen Busnetzes der Insel benutzen kann. Wir besichtigen die Inselhauptstadt Portoferraio, eine malerische Festungsstadt mit jeder Menge "Besichtigungspotenzial" - Archeologie, Napoleon-Exil, Festungsanlagen aus verschiedenen Jahrhunderten, Altstadt.

Ich steige noch auf der anderen Seite der Bucht von Portoferraio auf einen der steilen Berge, von dem aus man einen schönen Blick über den Mittelteil der grünen Insel hat.

Porto Azurro

Am nächsten Tag geht's gemächlich weiter, an die Ostküste Elbas. Wir machen noch einmal Station in Porto Azurro, wo wir abends in dem hübschen Ort ein Fest der Bewohner miterleben durften.

Bei der Gelegenheit: ein Lob auf das Dinghi, zwar etwas aufwändig zu Wasser zu bringen, aber dann angenehm geräumig und stabil. Bitte nicht wieder verlieren.
Dann verlassen wir Elba - für den Segler eine Trauminsel - alle paar Meilen eine Bucht oder ein Hafen, da könnte man fast eine ganze Woche verbringen. Jetzt klappt's auch mit dem Wetter - ein raumer Wind bläst uns nach dem Verlassen der Bucht 'rüber nach ...

Giglio

Unsere nächste Insel ist Giglio - klein, aber lohnend. Am nächsten Morgen helfen wir einer deutschen Crew, deren Anker sich beim Auslaufen in einer Mooring verfangen hat. Dummerweise vergessen wir eine unserer dabei benutzten Festmacheleinen am Kai - kleiner Rückschlag für unsere Bordkasse.

Giannutri

Heute wieder guter Segelwind. Das entschädigt uns für die mauen Verhältnissen der ersten Woche. Wenn Guiglio schon klein war, so ist Giannutri winzig. Das Inselchen wird normalerweise von Reichen bewohnt, aber nicht mehr zu dieser Jahreszeit. Wir liegen als Einzige in der winzigen Bucht, in anderen Monaten wären wir vielleicht gar nicht geduldet worden.

Santa Marinella

So laufen wir desillusioniert in Civitavecchia ein, wo mich als sparsam veranlagten Bordkassenführer der nächste Schreck erwartet: 80 € Hafengebühr - willkommen an der Festlandsküste. Immerhin gibt's dafür nach längerer Abstinenz 'mal wieder warme Duschen, aber so ausgiebig kann man gar nicht duschen.

Unser letzter Tag auf dem Meer verläuft dann unspektakulär. Nur noch mit Großsegel (leider nur im 1.Reff, ganz hoch bekommt man das Großsegel aus unerfindlichen Gründen nur mit ungesunder Gewalt) und Motor fahren wir mit bewußt gemächlichem Tempo die Küste entlang und machen Pläne für das nächste Jahr. Dann wird's nochmal interessant, als wir zum ersten Mal in die Tibermündung hineinfahren, die man auf den ersten paar Kilometern bis zur Straßenbrücke zum größten Yachthafen gemacht hat, den ich jemals gesehen habe und legen uns als achtes Boot ins Päckchen - Ende eines Törns und für mich einer ungewohnten Verweildauer von 3 Wochen an Bord.

Summary

Meinung eines Neulings zur Contessa, der sonst das Segeln nur von relativ neuen Charterschiffen kennt:

  • Großzügige Platzverhältnisse, wenn man nicht gerade mit 8 Leuten unterwegs ist, sinnvolle Raumaufteilung, viel Stauraum;
  • Alters- und ausstattungsbedingt kein Rollgroß, was einen manchmal davon abhält, Segel zu setzen, wenn der Wind mal gerade so zwischen 2 und 3 herumtrödelt; leider war es kaum möglich das Groß voll zu setzen, weil es zu schwergängig war;
  • Unangenehm starker Radeffekt beim Rückwärtsfahren, weshalb man trotz Berücksichtigung in engen Hafensituationen in Schwierigkeiten kommen kann
  • Angenehm, daß viel Zubehör und Literatur an Bord ist
  • Unangenehm, daß dadurch auch einige Unordnung herrscht, wir haben versucht, ein bißchen was daran zu ändern
  • Großes, stabiles Dinghi !
  • Als bekennende Zweitanker-Benutzer hatten wir Schwierigkeiten, mit dem überdimensionalen Teil zu arbeiten; muß von einem Flugzeugträger stammen; schöner wäre ein Klappanker passender Größe;
  • Leider funktionieren seglerisch wichtige Anzeigen wie Windmesser, Windrichtungsanzeiger und Logge nicht


Claus Dehring

 
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