Mit Contessa von Prevezza nach Lefkada, Kefallonia, Ithaka, Zakynthos im Juni 2013

Unisono: die bisherigen Mitsegler sind abhanden gekommen: was tun? Zum Glück gibt’s Handgegenkoje! Thomas Altmann klärt Interessenten freundlich und erschöpfend zu Yachtkult Kassel und Contessa auf. Zugegeben, ist es nicht ein Wagnis mit wildfremden Leuten auf ein enges Schiff zu gehen und ein, zwei, drei Wochen miteinander zu verbringen??

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Gewonnen habe ich, sehr sogar. Doch der Reihe nach: Zuerst verschiedene Kennenlerntelefonate, dann Flugbuchung, dann Start zur Reise, der erste persönliche Kontakt mit Crewmitglied Jörg zu nachtschlafender Zeit am Flughafen FRA (Frühmorgensflug), dann spät am Tag vor Ort mit dem Rest der Crew der von DUS kam. Dazwischen Kennenlernen des Schiffes und Einkaufen. Dann klären von Wünschen und grobe Festlegung der Route.

Erster Segeltag:

Vonitsa (liegt im Süden des Golf östlich von Prevezza), an Prevezza vorbei, dann Süd im Westen an Lefkada vorbei, bis zur Nordostspitze von Kefallonia, dort unbebaute Bucht südlich von Fiskardo. Ein schönes Etmal, zumal bei zwischendurch schwachem Wind.
Begriff Lernkurve:
Als eingefleischter Ein- und Zweihandsegler ist es bei einem Törn mit mehr Händen und größerem Schiff notwendig, intensiv zu kommunizieren und rechtzeitig zu besprechen wie das nächste Manöver ablaufen soll. Dies gilt besonders wenn mit Leine an Land geankert werden soll. Irgendwie wird es doch geschafft. Später klappt es am besten wenn die Landleine schwimmend mit Flossen ausgebracht wird.
Übrigens diese Bucht ist ein Highlight und sollte nicht ausgelassen werden: Man kann zu Fuß oder mit dem Beiboot nach Fiskardo - wird mit St Tropez verglichen - gelangen und liegt ruhig in der Bucht.

Zweiter Segeltag:

Zwischen Kefallonia und Ithaka erinnern die Windverhältnisse und die Höhenzüge West und Ost an den Gardasee. Dazwischen Wind in Richtung Süd, in Achse des Kanals. Wenig Wind, deshalb Zwischenstation in einer Bucht noch deutlich nördlich von Sami.

Dritter Segeltag:

Ein Blick aus der Bucht in den Kanal hinaus lässt die Seglerherzen höher schlagen: „Schaumkrönchen“. Nach Anker auf sicherheitshalber ein Reff ins Groß und mit gekürzter Genua erst mal sehen wie sich Contessa bei diesen Raumschotverhältnissen anstellt: Brav, dann kann man doch ausreffen! An Kefallonia entlang. Zu spät der Blick in das sehr ausführliche englischsprachige Atlantenwerk an Bord: An der Südostecke von K. wird das Wasser flach: vorsichtig navigieren wir uns hindurch, besser wäre ein weiträumiges Umrunden des Bereiches gewesen, zumal an Kaps mit deutlichem Drehen der Windrichtung zu rechnen ist.

Der Wind dreht nicht, er schläft ein, Motor, doch nicht lange, auf dem Weg nach Zakynthos briest er deutlich auf. Mit geschätzten 6 Windstärken erreicht die Contessa mit vollem Groß und Genua raumschots knapp 9 Knoten und Zkynthos nähert sich schnell. Etwas südöstlich hinter einem vorgelagerten Inselchen können wir in Nikolaos an einer freien Pier längseits mit Wind von vorne anlegen. Geholfen beim Anlegen wird uns von Dimitri. „Meine Tankstelle, mein Gasthaus, mein Shop, meine Ausflugsschiffe“: Alles seins bzw. seiner Familie. Sein Gasthaus: Küche durchaus in Ordnung, Preise auch.

Nächster Tag: windig, bedeckt: Jörg schlägt vor die Inselhauptstadt zu besuchen: Geht ein Bus dorthin? Dimitri rät ab, Busse unzuverlässig, empfiehlt einen Mietwagen. Gibt’s bei ihm, bzw. seiner Familie auch: fairer Preis € 35 für 5 Leute, den ganzen Tag plus Benzin! Wir bekommen einen guten Eindruck von der Insel. Neben Zante, dem Hauptort, gefällt uns vor allem die gebirgige Nordwestküste auch wegen des Blickes in die bekannte Schiffswrack-bucht (Navagio).

Vierter Segeltag:

Da Crewwechsel am Samstag bevorsteht treten wir den Weg nach Norden an. Ubernachten in SO Bucht der Insel Athakos.

Fünfter Segeltag:

Ziel ist Prevezza: Strecke östlich Lefkada durch den Kanal: sehr spannend beim ersten Mal: wo finden wir die Tonnen am Eingang zum Kanal? Mein HandGPS differiert zu den im Atlas angegebenen Wegepunkten – Unterschiedliches Kartendatum: In Kroatien und Korsika hat es immer gepasst. Ich fixiere mit meinen Einstellungen das Tor für die nächsten Male. Nach langer Passage durch flaches Land Blick auf die Marina, dann Stadt backbord. Die schwimmende Drehbrücke in Lefkada Stadt (öffnet jeweils zur vollen Stunde für 5 bis 10 Minuten) kommt in Sicht.

Dann der Kanalausgang, spannend weil flach, aber alle müssen dort durch und machen das auch. Auf den Meilen bis Prevezza dann als Abschiedsvorstellung für Jörg nochmals 5 Windstärken halbwind. Beim Kanaleingang vor Prevezza das gleiche Spiel wie schon eben. Fürs nächste Mal wird im HandGPS fixiert. Anlegen in Prevezza: Siehe Lernkurve: Schon Fortschritte! Der Grünstreifen vor dem Pier wird mittels Wasserhahn bewässert. Wir bewässern auch: die Tanks Contessas.

Sechster Segeltag:

Jörg geht von Bord, Damian informiert uns, dass er später kommt (mit der Fähre nach Sami Kefallonia). Wir machen uns nach Meganissi auf, dort nördlich auf Meganissi sehr interessante Fjorde zum Ankern.

Siebter Segeltag:

Nach Ithaka, Kioni: Die Bucht westlich des Ortes beim Friedhof eignet sich gut, von dort Richtung Kioni sind die Ankermöglichkeiten schlechter weil es schnell tief wird. Ein deswegen verzweifelter Nachbar bietet deshalb Hafenkino (mindestens fünf Anläufe) vom Feinsten. Wir leiden trotzdem mit ihm!

Achter Segeltag:

Zehn Seemeilen an der Ostseite Ithaka entlang und Besichtigungsrunde durch die Hafenbucht von Vathi. Dann Sarakiniko (Bucht und Felssporn). Gefährlich: schöner Strand mit instabiler Felswand – Steinschlag - und Ziegen in der Wand. Traumhafte Unterwasserlandschaft zum Schnorcheln: Flacher Strand geht über in senkrechte Felswand mehr als 20 Meter tief.

Neunter Segeltag:

Wir fahren nach Sami (Hafen) um Damian an Bord zu holen. Die Fähre von Patras kommt, doch Damian ist nicht dabei. Doch, halt, es kommt noch eine zweite Fähre. Mit Damian!
Die freundlichen Leute vom Hafenbüro wünschen einen Besuch des Skippers. Kostet € 12,50. Leider haben wir die Fußballergebnisse von Olympic Athen nicht verfolgt, die Hafenkapitäne hätten gerne dazu ausführlich gefachsimpelt. Bayern München ist ein Begriff. Gasthaus Faros direkt am Hafen: sehr ordendlich!

Zehnter Segeltag:

Auf besonderem Wunsch eines einzelnen bayerischen Seglers geht es nochmals nach Sarakiniko. Schnorcheln und Beiboot.

Elfter Segeltag:

Syvota. sehr geschützter Naturhafen mit Yachties allenthalben.

Zwölfter Segeltag:

Durch den Kanal nach Lefkas, tanken, Drehbrücke, flacher Ausgang zum offenen Meer, dann Prevezza, vorher Kanal. Anlegen: Die Lernkurve hat ein Maximum erreicht, alles klappt wie am Schnürchen.

Grob abgeschätzt ergeben sich für den Törn über 300 Seemeilen, keine Nachtfahrten, keine Morgenstarts.

Nächster Morgen: Früh geht der Flieger. Wehmütig verkneife ich mir beim Aufbruch den Blick zurück. Mittags bin ich nach dem Flug und raschem Umstieg in den ICE schon fast in Nürnberg.

Eindrücke, Fazit und Empfehlungen:

Das sehr gute Kartenwerk (Atlas) großformatig gibt’s bei HanseNautic für € 102 (gesehen auf der Hanseboot 2013 am Stand HanseNautic), ggf. direkt aus Griechenland billiger. Wäre gute Törnvorbereitung für zu Hause/ Winter.

Die südlichen ionischen Inseln sind ein landschaftlich sehr reizvolles, übersichtliches, abwechslungsreiches Revier, leider fällt der Grund häufig schnell ab, sodass Ankern gut organisiert werden muss.

Alle Griechen waren sehr freundlich: „Where do you come from?“ Die Freundlichkeit ist  meines Erachtens echt und wird lediglich durch ein wenig Geschäftstüchtigkeit überlagert.

Taxi: Für die Strecke Flughafen Aktion – Vonitsa sind € 30 und € 35 zu teuer.
Ebenfalls für die Strecke Prevezza - Flughafen € 20. Verhandeln bringt wenig!

Wetter/ Wind: die Infos aus dem Internet (WLans der Gasthäuser) werden immer wichtiger, randlich ist „Lamma Rete“ ein toskanischer Wetterdienst sehr übersichtlich in der Darstellung. Neben Wind auch Wellenhöhe und Wassertemperatur. Stellenweise Funklöcher beim Handyempfang.

Wasser: Mit 4 – 5 Personen an Bord und sparsamen Verbrauch hat die Contessa eine gute Reichweite.

Flugpreise: ändern sich mit zeitlichem Abstand zum Flugtermin ständig, preislich sehr günstig die Morgenverbindung, z. B. FRA, einchecken allerdings mitten in der Nacht, Anreise zum Flughafen am Vorabend. Rückflug: da in warmen Gefilden gestartet wird, „leicht bekleidet“. Daraus folgt: Koffer schwer: Übergepäck: Ich werde das nächste Mal die Klamotten so packen, dass Ballast (pro Kilogramm € 10!) „zum Abwerfen“ obenauf liegt.

Zug zum Flug für € 29 pro Strecke geht auch nach Basel und Salzburg. Auch Abflughafen Prag nehme ich auf den Scanner (Ostbayern liegt insofern sehr zentral zu den Flughäfen!).

Alternativ kann auch mit Bahn und Fähre angereist werden: z. B. (EURO-) City- Night- Ticket nach Venedig und dann  ca € 80 für die Fähre nach Korfu/Igumenitsa.

Lernkurve: Visualisieren der Tätigkeiten durch Modelle, Zeichnungen.

Literatur: Baedecker/ Allianz Reiseführer „Korfu und ionische Inseln“, im Paket ist eine Land-/ Straßenkarte enthalten, mit Koordinaten am Blattrand, enthält nützliche Details zum Navigieren, gut geeignet als Überflieger, € 18.

Lob an die Crew: Zusammenwirken: Alles Top, Ruhe und Gelassenheit, Essen: nahezu ein Gourmet- Törn. Vorräte/ bunkern: Alles war rechtzeitig und mit reichlich Reserve an Bord. Ich hoffe wir finden einen gemeinsamen Termin für 2014!

Reinhold, Jörg, Uwe, Sigrid und Roberto, Damian         11.11.2013

 
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