Törnbericht 470er
Heute (26.07.08) habe ich endlich mal unsere neue gebrauchte 470er "eingeweiht". Aber der Reihe nach!
Nachdem ich tags zuvor in der Dag-Hammerskjöld-Str. Segel und Stegschlüssel abgeholt hatte, bin ich recht früh von Vellmar Richtung Edersee aufgebrochen (schließlich sollte das Wetter schön werden und ich wollte auf Halbinsel Scheid einen guten Parkplatz ergattern). Hat auch geklappt; voller Tatendrang stürmte ich mit Sack und Pack auf den Steg los (es ist übrigens der 2. rechts der Schienen-Slip-Anlage), dann die Enttäuschung: Schlüssel passt nicht! Übrigens auch an keinem der anderen 9 Stege in der Nachbarschaft, aber endlich entdeckte ich das Boot auch an besagtem Steg, nützte aber nichts, weil ich nicht dran kam. Anderthalb Stunden nach meinem Eintreffen konnte ich schließlich mit anderen Stegbenutzern durchschlüpfen.
Dann der nächste Schreck: im Boot stand 15 cm hoch das Wasser, grün mit Algen. Höher ging nicht, dann wäre es hinten aus den Hecköffnungen abgeflossen. Im Wasser lagen, grün und glitschig, kreuz und quer Seile und Fußgurte. Also ans Werk: 20 Minuten mit abgeschnittenem Getränkekarton und Schwamm Wasser geschöpft und Seile und Boden gewaschen. Dann versuchte ich, das laufende Gut zu sortieren und die Segel anzuschlagen. Das Boot ist wirklich reichlich mit Beschlägen und Tampen ausgestattet, nur leider vermisste ich geeignete Klemmen für Fockfall, Großfall und Groß-Vorliekstrecker. Deshalb verschwand beim Anschlagen des Focksegels auch gleich das "andere" Ende des Fockfalls im Mast. Also Mast ziehen, Mastfuß abschrauben, Fall mit Gewicht versehen und durch den Mast nach unten "durchschütteln", Mast aufstellen und abspannen und Segel wieder anschlagen. Es ist schon Mittag, die Sonne sticht, der Schweiss rinnt, das Wasser steht schon wieder im Boot (undichte Lenzventile) und die Stegnachbarn schauen mitleidig.
Schließlich kann ich in See stechen. Die 470 hat wirklich tolle Segeleigenschaften und läuft auch bei Schwachwind gut, allerdings hat man alleine viel zu tun, 4 Hände wären nicht schlecht. Die Windverhältnisse auf dem Edersee wechseln ständig. Die Lenzventile machen ihrem Namen alle Ehre, nur haben sie leider die Richtung verwechselt. Ich gebe es auf, dagegenanzuschöpfen, außerdem habe ich gelesen, dass Jollen unsinkbar sind. Nach 1,5 Stunden Segelvergnügen verdunkelt sich der Himmel und es geht zurück an den Steg. Aus eigener Anschauung weiß ich dass Unwetter auf dem Edersee gefährlich sein können. Beim Bergen des Großsegels verschwindet auch gleich das Großfall im Mast. Also wieder Mast ziehen, Mastfuß abschrauben ... na ihr wisst schon. Aber ich bin richtig gut: nach 20 Minuten steht der Mast wieder, als wäre nichts gewesen, und das Großfall ist auch wieder da. Dann noch eine 1/2 Stunde Segel abschlagen und eintüten und mit einem anderen Stegbenutzer durch die abgeschlossene Stegtür ausschleusen und ab nach Kassel. Unterwegs in Habichtswald-Dörnhagen zum 2. Mal in einem Jahr geblitzt worden (Mistkaff verdammtes!) und ein Segeltag geht zu Ende.
Hier noch ein paar Verbesserungsvorschläge, die wir 470er-Nutzer uns mal durch den Kopf gehen lassen sollten:
- Dass sich der Baum leicht vom Mast löst, mag ja für den Transport ganz praktisch sein. Dass er es auch sonst dauernd tut, nervt ziemlich. Eigentlich sollte er bei montiertem Mast ständig angeschlagen bleiben. Eine technische Lösung dazu ist mir noch nicht eingefallen.
- Für die Fallen sollten am Mast Klemmen und dahinter Klampen vorhanden sein. Mit einem Haken am Vorliek des Großsegels in Verbindung mit dem Großfall könnte auch das Problem "Vorliekstrecker" gelöst werden.
- Alle Schäkel am Boot sind verlierbare Schraubschäkel. Die für das Aufriggen benötigten Schäkel sollten gegen solche mit unverlierbaren Schäkeln ausgetauscht werden.
- Wenn das Boot mal wieder aus dem Wasser kommt, müssen wir uns dringend um das Problem "undichte Lenzventile" kümmern
- Da das Boot auch bei dichten Lenzventilen volllaufen kann, sollte das Boot mit einem richtigen Schöpfgefäß ausgerüstet werden
- Nach der Benutzung sollten alle Seile hochgelegt und auch die Fußschlaufen hochgebunden werden, sonst wird wieder alles grün und glitschig
