Sonntag, 20.09.09
Abfahrt 01:30 Wolfhagen. Peter B. holt alle der Reihe nach ab. Nach Ankunft in Hannover trinken wir erstmal Milchkaffee und Bier. Wir checken ein bei TuiFly, Reihen 26 und 27, B737-800. Start um 6:00 Uhr, die Sonne geht auf, hohe Wolken unterwegs. Landung 8:00 Uhr in Olbia, am Tafelberg vorbei und über den Hafen. Taxi soll 30 Euro kosten, daher nehmen wir den Bus für 1,30 Euro pro Person, Busnummer 10, dann umsteigen in die 9 zum Hafen. Die Contessa steht ganz hinten. Ron ist noch da von der alten Crew, die anderen sind mit unserem Flieger wieder zurückgeflogen. Wir fahren erstmal mit 3 Einkaufswagen, die vorne am Hafen standen, über Stock und Stein und Hauptstraßen Richtung Supermarkt, so knapp 1 km (gefühlt). Einkaufen zu viert geht gut, Einkaufszettel schon im Flugzeug geschrieben, wir bezahlen 350 Euro für 5 Personen-Verpflegung. Zurück am Boot alles einräumen, tanken geht nicht, macht aber nichts. Gegen Mittag fahren wir aus dem Hafen heraus aufs Meer. Der Tafelberg ist ständiger Begleiter und Orientierungspunkt. Wir fahren einem Gewitter davon, was jetzt über Olbia aufzieht. Auf dem offenen Meer setzen wir dann erstmals die Segel. Wir segeln nach Cala di Volpe, wo wir das Boot an in der Bucht verstreuten Bojen befestigen können. Wir kochen 5l Bolognese mit dem frischen Hackfleisch, die wir bis zum nächsten Abend auch restlos verputzen. Am ersten Abend an Bord setzen wir über Nacht das Sonnensegel, damit es gemütlich trocken bleibt. Toller Sternenhimmel, Grappa und Bier, das Meer ist gut und wir schlafen lange und gut (21:30-08:30).
Montag, 21.09.09
Die Sonne ist schon da, als wir aufwachen. Wind ist auch da, daher gleich los. Wir wollen vermeiden, dass doch noch wer kommt und Liegegebühren kassieren möchte. Super Segelwetter, wir segeln vorbei an der Straße von Bonifacio nach Korsika, in den Golfe de Rondinara. Es ist schon etwas frisch auf dem Meer, aber schön. Beim Ankern in der Bucht wird klar, dass es ein Unwetter geben wird. So kommts auch. Kurz nachdem wir mit Dinghiunterstützung noch den Hilfsanker zusätzlich angebracht haben, fängt es an zu regnen. Es geht die ganze Nacht nun so, 3 Gewitter haben uns eingekreist, starker Wind und aufgewühltes Meer. Wir wechseln uns die ganze Nacht mit der Ankerwache ab und schauen ständig nach der GPS-Position. Schlafen geht auch nicht gut bei dem Sturm.
Dienstag, 22.09.2009
Wind in Boen 30 kt. Ab 05:30 halten Chris und ich Wache. Endlich wird es langsam hell am Horizont. Es regnet aber sogar noch, als die Sonne über dem Meer aufgeht. Die Wolken hängen an den Bergen der Küste fest, über dem Meer sieht es wieder ganz gut aus jetzt. Wir verlassen als erste von den 3 Booten die Bucht, ein weiteres macht es uns dann auch nach. Ist echt eine Aktion, bei dem Wetter die Anker hereinzuholen und dann schnell aus der Bucht herauszukommen, perfekt gemeistert von Skipper Thomas und der Crew. Als wir genügend Abstand zur Küste haben, hissen wir die Segel und segeln Richtung Porto Vecchio, aber in eine etwas weiter nördlich gelegene Bucht mit vorgelagerter Insel. Sie heißt Baie de San Ciprianu. Über der Küste ist dauernd Gewitterneigung angesagt. Hier in der Bucht ist es aber ruhig und wir braten Schnitzel und Bratkartoffeln mit Gemüsepfanne. Nach der anstrengenden letzten Nacht schlafen wir von 22:30 bis 08:30 durch. Seit Olbia haben wir nun 70 NM zurückgelegt.
Mittwoch, 23.09.2009
Erstmal alles ruhig angehen lassen, mit dem Dinghi ans Land fahren mit Peter P. und Chris, einen Supermarkt suchen und 6 Baguette kaufen. Zurück am Boot in Ruhe frühstücken und ein Bad nehmen. Dann fahren wir aus der Bucht heraus nach vorherigen Überlegungen, wohin. Wind aus Nord, wäre geeignet für die Überfahrt zum Festland. Ca. 90 NM liegen vor uns, also gut 20 Stunden. Wetter sieht auch gut aus, blauer Himmel. Einige Meilen von der Küste entfernt gehen wir nochmal am Seil schwimmen, bei 2-3 kt Fahrt. Das ist so das Maximum, bei dem man sich am Seil noch gut halten kann. Dann alle Segel raus und Kurs Richtung Osten. Abends kochen wir Risotto, dann planen wir unsere Nachtfahrer ein. Wir gehen um 22:30 ins Bett und lösen dann um 01:30 Peter B. und Thomas ab. Segeln bis 04:00 und wecken dann Peter P. Es ging gut voran die ganze Nacht, wolkenlos, ohne Mond aber trotzdem nicht ganz dunkel. Sternschnuppen, 2-3 Fähren weit entfernt, sonst keine Vorkommnisse. Wind ging ab und zu mal auf 21 kt, meisten aber um die 17 kt. Während wir schlafen, wird dann eine Wende vollzogen und mit Nordkurs weitergefahren.
Donnerstag, 24.09.2009
Um 07:00 Uhr wieder aufgewacht, Sonne will gleich aufgehen, Peter P. abgelöst. Bis mittags segeln wir noch, die Insel Montechristo kommt in Sicht. Der Wind wird schwächer und irgendwann müssen wir den Motor anlassen. Erstmal schlafen und erst wieder aufwachen, als wir schon in die schöne Bucht der Isola Giglio einlaufen. Nach dem Ankern bekommen wir Besuch von 5 Karlsruher Sportstudenten, die sich gern mal das Boot anschauen wollen. Während Peter P. und Chris an Land fahren, schraubt Thomas am Fenster und Peter B. bereitet den täglichen Nachmittagssnack vor: Tunfisch, Zwiebeln, Parmesan, Mozzarella, Tomaten, Paprika, Oliven und frisches Baguette vom Landgang. Nach gemütlichen Rumdümpeln in der Bucht gehen wir abends an Land und laufen durch das kleine Örtchen, der Strand hat ganz groben, roten Sand. Da ist ein kleines Türmchen (privat) auf der Felskante mit Brücke als Verbindung, durch die Chris morgen mit dem Dinghi fahren will. Wir finden eine Pizzeria am Strand und bestellen Pizza und Wein. Auf dem Rückweg wollten wir noch in eine Bar einkehren, schon geschlossen. Beim Einstieg in das Dinghi grande Malheur – wir werden von einer Welle an den Strand gedrückt und fallen ins Wasser. Peter B. komplett nass inkl. Handy. Der Abend wird lang unter Deck mit Bier, Wein und Gin Tonic und Knabbergelage.
Freitag, 25.09.2009 & Samstag 26.09.2009
Nach dem Frühstück schnorcheln wir die Küste entlang, 1.000 Fische und im Inneren der Bucht plötzlich auch viele Quallen. Nadelfische schwimmen an der Wasseroberfläche. Da sind alte Fundamente im Wasser, an denen sich Korallen gebildet haben. Danach mit Dinghi, Peter P. und Chris an dem Steinpfeiler vorbei in die nächste Bucht fahren. Dort ist ein Steinstrand = Steine sammeln. Dann mit Dinghi wieder zur anderen Seite der Bucht und durch die besagte Turmbrück durch. Am Nachmittag noch gemütlich lesen und schwimmen bei sehr warmen Wetter und um 18:00 Uhr verlassen wir die Bucht und fahren mit dem Sonnenuntergang an der Seite nach Süden Richtung Romano, 70 NM entfernt. Stille See, kein Wind. Thomas überrascht uns mit einer Mann-über-Bord-Manöver-Übung. Wir schaffen es, die arme unschuldige Tupperdose nach einiger Zeit wieder an Bord zu holen. Als es dämmert, kommt unsere Überraschung. Wir haben 2 Himmelslaternen mitgebracht, die in Deutschland ja mittlerweile verboten sind. Leider sind sie unwillig und dümpeln beide langsam ins Meer. Es gibt Gnocchi mit Tomatensoße. Jetzt hat der Wind plötzlich kräftig aufgefrischt und wir segeln, Motor aus. Unerwarteterweise gibt es nun wieder eine Segelnacht mit Boen bis 35 kt, das Wasser schwappt auf die Matrosen. Ich darf im Bett bleiben bis 05:30. Ab dann mit Chris weitergesegelt, an Sidivecchia vorbei, Küste zwar weit weg, aber zu sehen. Hier ist schon mehr los als bei der Überfahrt. Fähren kreuzen und um 07:00 Uhr, kurz vor Sonnenaufgang, begleiten uns mehrere Delfine. Jetzt bin ich wach! Und schön wird es jetzt auch, die Sonne macht alles warm und wir müssen nun richtig navigieren, da vor der Einfahrt in die Tibermündung 2 Ölplattformen stehen, die nur im Abstand von 1 NM passiert werden dürfen. Wir haben Kurs 120°. Neben den Plattformen liegen auch 2 große Tankerschiffe. Wir fahren bis auf die südliche Seite, dann lässt der Wind nach, wir ziehen die Segel ein, nehmen ein letztes Bad im Meer und fahren motorgetrieben in die Tibermündung. Flugzeuge aus Fiumicino fliegen im Minutentakt übers Boot. Wir tanken für grad mal 50 Euro und sind dann schnell an unserem Liegeplatz. Wir haben weniger als 200l Nutzwasser gebraucht. In der 6. Reihe, was Besseres gibt es nicht. Erstmal schlafen wir und gehen dann zum Essen ins El Castillo, hinter der Brücke. Super klasse Pizza! Dann noch daneben in der „Bar“ Espresso trinken. Kein schönes Ambiente dort, aber interessant. Espresso 80 Cent, Grappa in Wassergläsern für 2 Euro und der Cappu für 1 Euro. Dann gehen wir noch ins Städtcheninnere auf der Suche nach einem Zigarettenautomat. Wieder an Bord die letzten Vorräte plündern. 3 Bierdosen bleiben letztendlich übrig.
Sonntag, 27.09.2009
Bis halb 9 geschlafen, die Sonne geht über dem dunstigen Rom auf. Brötchen selbst gebacken, mit Teig von gestern. Reste essen. Wir bleiben noch lang genug am Frühstückstisch sitzen, bevor wir anfangen aufzuräumen. Dann geht's aber rund. Es ist noch viel zu tun, das Boot muss winterfest gemacht werden. Schwere Arbeit, die nicht gerade leichten Taschen aus der 6. Reihe an den Steg zu bringen. Um 11:30 Uhr aber pünktlich fertig, Taxi vorbestellt ist auch pünktlich da. Und wir fahren in nur einer halben Stunde zum Flughafen Ciampino für 65 Euro. Jetzt haben wir Zeit und fangen erstmal an, die schweren Taschen am Schalter umzupacken, damit jeder die 15kg nicht überschreitet. Ryanair soll da sehr genau sein. Unsere große wiegt 17, geht aber durch. Es nützt hier nichts, die ersten am Schalter zu sein. Freie Sitzplatzwahl. Wir verlagern uns ins Restaurant. Als wir dann zum Gate kommen, steht leider schon eine lange Schlange vor der Tür. Wir stellen uns hinten an. Plötzlich ändert sich das Gate zu unseren Gunsten. Wir stehen auf einmal ganz vorn. Raus zum Flieger gehen alle ziemlich schnell. Ich auch und kriege einen guten Platz in Reihe 27. Ryanair hat 5 Sitzreihen mehr als Tuifly in der gleichen Maschine. Als alle sitzen, kommt eine Durchsage in schlechtem Englisch. Die WC-Drainage ist defekt, es kann nicht entleert werden. Wir müssen raus zur Reparatur. Alle stehen auf und wuseln ihr Gepäck heraus, da kommt wieder eine Durchsage, bitte doch alle sitzen bleiben. Wieder 10 Minuten später heißt es, doch raus, wir bekommen ein anderes Flugzeug. Bis wir draußen sind, ist schon ein Bus voll. Im neuen Flugzeug angekommen sehe ich nur noch wenige freie Reihen in der Mitte. Bis ich dahin komme, ist auch die letzte weg. Plötzlich sagt eine Frau neben mir "Die Reihe hier wird frei" und geht weg. Juhu, doch noch Fensterplatz. Endlich geht es los. Wir stehen schon lange am Rollhalt, als und der Kapitän mitteilt, wir bekommen nun keine Slot mehr, erst in 45 Minuten. Also rollen wir über die Piste wieder zurück zum Gate. Und jetzt wäre vielleicht der Punkt gekommen, ein Freigetränk zu verteilen. Nee. Wir warten eine Stunde und dann geht es aber endlich los. Vollgas bis Deutschland, dann runter mit der Kiste. Wir sind schnell, aber Fahrwerk raus schon am Bodensee und Klappen auch. Nach dem Aufsetzen in Karlsruhe muss der Pilot so stark bremsen, wie noch keiner von uns erlebt hat. Bahnlänge 2.730m, 600m länger als Paderborn. Überhöhte Aufsetzgeschwindigkeit? Zu hohes Gewicht? Fazit: Ryanair übertreibt mit Billigkeit und Sparflug. Nächstes Mal lieber ein paar Euro mehr für andere Gesellschaft bezahlen. Wir bekommen unseren Mietwagen und fahren nach Hause, mit einem Stop bei McDonalds. Auch heute bringt uns Peter B. wieder bis vor die Haustür. Noch fast eine ganze Woche schwanken wir seltsam auf dem festen Boden...
